Der heiße Tiger des Papperlapapp

 

Lesung über den Dadaisten Hans Arp

 

 

Der „heiße Tiger des Papper­lapapp", wie Bohnensack den Mitbegründer der Dada - Bewegung in seinem Einfüh­rungsgedicht nennt, kombi­nierte Sinn und Unsinn zu ei­ner neuen Ausdrucksform, die er als Ur- oder Universal­sprache bezeichnete. Dabei ging er sehr musikalisch vor, wenn er das einmal gewählte Vokabular immer neu variier­te. Sehr schön kommt das bei „Konfiguration l" zum Aus­druck, wo es um die Farben Schwarz, Weiß, Grün und Blau geht und um Steine, die in der einen Hosentasche Butter, in der anderen Brot haben, und deshalb von allen für Butterbrot gehalten wer­den.

Bohnensack trifft in seinem Vortrag immer den richtigen Ton. Dazwischen erzählt er von Arps Leben, von seiner Flucht vor den Nationalsozia­listen und vom Schmerz, als seine Lebensgefährtin, die Künstlerin Sophie Taeuber, 1943 ums Leben kam. Eine ebenso spannende wie infor­mative Lesung, die am 10. Oktober um 19.30 Uhr im Ca­fe Arte noch einmal wieder­holt wird. n Helmut Jasny

 

                   

                                  Münstersche Zeitung  vom  29. September 2008

 

 


 

Das fließende Licht der Gottheit

Text- und Stimmperformance zu Mechthild von Magdeburg

 

Münster. Überraschende und ungewöhnliche Töne entlockt Gregor Bohnensack seinen Instrumenten in der Johannes-Kapelle. Zusammen mit Rachel Seifert (Stimme) hat er das Projekt „Das fließende Licht der Gottheit“ entwickelt, bei dem die beiden Texte der mittelalterlichen Mystikerin Mechthild von Magdeburg rezitieren und dazu mit verschiedenen Klängen experimentieren. Jetzt war Premiere.Bohnensack schreitet durch die Johannes-Kapelle und schiebt zwei silbrige Kugeln vor sich her. „Kling“ schallen sie auf den Steinfußboden und „klingkling“ – wie eifrige Glocken. Über diesen Tönen liegt sphärisch der Gesang von Rachel Seifert. Bohnensack greift indes nach einer bronzenen Schüssel und fährt mit einem Stab um sie herum, reibt mit einer Drahtbürste über ein Gitter. Es säuselt und manchmal klingt es wie rieselnder Sand. Immer mit dabei: Die pathetische Stimme von Seifert, die fast körperlich wahrnehmbar ist, so intensiv ist sie. Dazwischen rezitiert Bohnensack meist kurze Texte der mittelalterlichen Mystikerin Mechthild von Magdeburg. Sie handeln von Gottesliebe, Offenbarung und der Vereinigung des Menschen mit Gott. Doch viel Zeit gibt er dem Lesen nicht: Schließlich wartet eine Vielzahl von Instrumenten darauf, von ihm bespielt zu werden.

 

Westfälische Nachrichten, Münster, vom 10. Mai 2008


 Prosa geprustet und Silben geklagt

Von Klaus Nelißen

Münster. Der Reiz beim nächtlichen  Besuch der „Black Box", dem kulturellen Sonderprogramm des Cubas zu den Skulptur-Projekten, liegt darin: Man weiß vorher nicht, was abends rauskommt. Der Hinweis der Ankündi­gung auf Thomas Bernhard versprach Sprachkunst im weitesten Sinn. Trompete, Klangdämpfer und Teile einer Posaune, verteilt in der Mitte des schwarzen Hinterhofkabi­netts ließen eine Performance von Gregor Bohnensack und Rachel Seifert erahnen. Doch Bohnensack verwei­gerte den Instrumenten auf beeindruckende Weise ihre musikalische Bestimmung:  Beim Auftakt prustete und rö­chelte er in den Zug der Po­saune, entlockte ihm Töne, die man von dem Instrument nicht kennt. Gekonnt ließ sich Seifert auf die Improvisationen­  ein...   Bernhards Roman-Versuch, Musik in Sprache zu über­setzen, wurde von Bohnen­sack und Seifert geschickt auf­genommen und zurück über­setzt in die Musik... Die Besucher verließen die „Blockbox" mit dem Eindruck eines komplexen Künstlerpor­träts.

      

        Westfälische  Nachrichten, Münster, vom Dienstag, den 31. Juli 2007

 


 

 

Sprechen – oder wie man sich mit Hilfe des Gedächtnisses ‚frei’ spricht:

Vortrag  im Gymnasium Rhauderfehn am Dienstag, den  17.1.2006
 
Der Rezitator und Musiker, Schauspieler und Schriftsteller Gregor Bohnensack wirkte als 'Erinnerungsarbeiter', als er sich dem Thema "Sprechen: oder wie man sich mit Hilfe des Gedächtnisses ‚frei‘ spricht“ näherte. In elegantem Bogen umspann er die jüngere deutsche Geschichte und verwies auf zahlreiche literarische Zeugnisse, in denen die Befreiung durch das gesprochene und/oder geschriebene Wort sicht- und hörbar wurde. Das Sprechen entfaltet nur dann Wirkung beim Gegenüber, wenn die Sprache eins wird mit dem Körper des Sprechers. 

                                      Gymnasium Rhauderfehn, Homepage